Warum der SBF See in Kroatien und Griechenland oft zum Problem wird?
Warum der SBF See in Kroatien und Griechenland oft zum Problem wird?
Viele Deutsche glauben:
„Wenn ich den SBF See habe, bin ich überall im Mittelmeer auf der sicheren Seite.“
Genau hier beginnt das Problem.
Der SBF See ist ein deutscher Führerschein, der in vielen Ländern zwar grundsätzlich akzeptiert wird – aber nicht alle praktischen und rechtlichen Anforderungen in Reisezielen wie Kroatien und Griechenland abdeckt.
1. SBF See ohne Funklizenz – Klassiker in Kroatien und Griechenland
In beiden Ländern ist auf Charteryachten fast immer ein UKW-Funkgerät verbaut.
Dafür wird von Behörden und/oder Charterfirmen häufig eine gültige Funkberechtigung verlangt.
Typische Stolpersteine:
- Viele Deutsche machen nur den SBF See, aber kein Funkzeugnis (SRC).
- Vor Ort stellt sich dann heraus:
- SBF See alleine reicht nicht
- Es wird ein zusätzliches Funkzeugnis oder eine andere Kombination von Nachweisen verlangt.
- Im schlimmsten Fall:
- Du bekommst das Boot nicht übergeben,
- oder du fährst doch los und riskierst Ärger bei einer Kontrolle.
Ergebnis: Der teure Urlaubstörn startet mit Stress, Diskussionen und im schlimmsten Fall mit Bußgeldern.
2. Nationale Vorschriften: SBF-See-Theorie ≠ Kroatien-/Griechenland-Praxis
Der SBF See vermittelt die Grundlagen der deutschen Seeschifffahrtsstraßenordnung.
In Kroatien und Griechenland gelten aber teils andere Regeln und Gepflogenheiten, zum Beispiel:
- andere Geschwindigkeitsbegrenzungen in Küstennähe
- spezielle Badezonen, Schutzzonen, Nationalparks
- Ankerverbote oder Einschränkungen in bestimmten Buchten
- unterschiedliche Abläufe bei Meldepflichten, Hafeneinlauf, Crewlisten usw.
Wer nur den SBF-See-Stoff im Kopf hat und denkt „Wird schon passen“, riskiert:
- teure Strafen wegen falscher Geschwindigkeit oder falschem Ankerplatz,
- Diskussionen mit der Hafenpolizei / Port Police,
- im Extremfall sogar das Verbot, weiterzufahren.
Gerade in Kroatien berichten viele Skipper, dass sie mit SBF See zwar „formal“ einen Schein hatten, aber trotzdem Strafen zahlen mussten, weil ihnen das spezifische Wissen für dieses Revier gefehlt hat.
3. Falsche Sicherheit: „Ich habe SBF See, also bin ich Skipper“
Ein weiterer Punkt: Der SBF See wird von vielen in Deutschland auch manchmal in Crashkursen und ONLINE gemacht – gerade so bestanden, aber:
- Knoten vergessen,
- Navigation nur oberflächlich,
- Wetter, Sicherheit, Manöver kaum geübt.
Spätestens in Revieren wie Kroatien oder Griechenland zeigt sich das:
- enge Häfen, Seitenwind, viel Verkehr
- Bojenfelder, Mooringleinen, Fährverkehr
- Fallböen, Bora / Meltemi – lokale Wetterphänomene
Wer hier als verantwortlicher Skipper unterwegs ist, aber seine praktischen Fähigkeiten überschätzt, gefährdet:
- die Crew,
- das Schiff,
- und im Ernstfall auch den Versicherungsschutz.
4. Unterschiedliche Anerkennung und Anforderungen der Charterfirmen
In der Praxis spielt nicht nur das Gesetz eine Rolle, sondern auch:
- Was fordert die Charterfirma?
- Was akzeptiert die Versicherung?
Beispiele für Probleme mit reinem SBF See:
- Die Charterfirma verlangt zusätzlich:
- einen zweiten Skipper mit Erfahrung,
- ein Funkzeugnis,
- oder spezielle Referenzen / Erfahrungsnachweise.
- Ohne diese Zusatznachweise:
- bekommst du die Yacht nicht,
- musst kurzfristig upgraden oder umbuchen,
- oder jemand anders muss offiziell Skipper werden.
Gerade wer „nur schnell den SBF See“ gemacht hat, um in Kroatien oder Griechenland zu chartern, steht dann plötzlich vor organisatorischem Chaos.
5. SBF See vs. revierbezogene Scheine (z. B. Küstenpatent)
Für reine Kroatienfahrer ist oft ein Küstenpatent (mit integrierter Funkberechtigung und Revierfokus) praktischer.
Für Griechenland gilt Ähnliches:
Revierkenntnisse, lokales Wetter, Hafenmanöver, Funkabläufe – all das ist entscheidend und wird in einem allgemeinen deutschen Basisschein wie dem SBF See nicht speziell auf das jeweilige Land zugeschnitten vermittelt.
6. Fazit: Warum der SBF See in Kroatien und Griechenland häufig Probleme macht
Zusammengefasst wird der SBF See für viele Deutsche zum Problem, weil:
- Funklizenz fehlt → Boot darf offiziell nicht oder nur eingeschränkt geführt werden.
- Revierwissen fehlt → Strafen, Stress mit Behörden, Unsicherheit.
- Praktische Erfahrung fehlt → Häfen, Wetter und Verkehr überfordern den Skipper.
- Charterfirmen mehr verlangen als „nur einen Schein“ → Zusatzdokumente nötig.
Der SBF See ist kein schlechter Schein – im Gegenteil, er ist eine gute Grundlage.
Aber wer glaubt, damit automatisch „fit“ für Kroatien oder Griechenland zu sein, erlebt oft eine unangenehme Überraschung.







